Vinjettur VIVinjettur IV

Das Buch umfaβt – wie frühere Werke des Autors – eine vielschichtige Thematik. Der Autor taucht in die Welt der Liebe und deer Täuschung ein, verbunden mit der Schönheit der isländischen Natur und den Wundern der Welt. Sein neuer Blickwinkel läβt Wohlwollen und Bosheit einander abwechseln, nicht zuletzt im Hinblick auf die Frage, woher die Menschheit kommt und wohin sie geht. Die Vignetten sind manchmal leidenschaftlich und bestehen aus lebhaften Bildern. Sie eignen sich zur Vertiefung und zur Meditaion.

Titel des Buches: Vinjettur IV –Vignettes IV
Autor: Ármann Reynisson
Doppelsprachige Ausgabe Isländisch-Englisch
Übersetzung ins Englische: Martin Regal
Kunstwerk auf dem Titel: Sigurbjörn Jónsson
Design: Guðmundur Oddur Magnússon
Foto Titelbild: Kristján Maack
Lektorat: Sigrún Árnadóttir
Umbruch: Pjaxi
ISBN: 9979-9595-1-7

Textproben: Übersetzung Gudrun M. H. Kloes

Die Mitternachtssonne

Bis zur Mitte des Jahres wandert die Sonne höher in die Luft, steigt schlieβlich in der Mittsommerzeit in höchste Höhen, nach und nach werden die Tage länger und besiegen die Dunkelheit fürs Erste. Die Mitternachtssonne spielt am Himmel, lächelt dir zu, und ihr roter Schein färbt Land und Leute. Sie verlangt Beachtung und erfreut unsere Sinne, wie sie auf dem Meer am Horizont hüpft, während wir wachen und umhergehen. Dann ist die Zeit relativ und die Nacht ist jung und hell, Kinder und Erwachsene toben drauβen auf der Wiese. Dann vergessen wir Zeit und Ort und wollen am liebsten so lange wachbleiben, wie die Sonne scheint. Später sinken wir nieder, wenn die Müdigkeit uns erfaβt, doch das Spiel hält in der Traumwelt und der Regie der Natur an. Danach geht es abwärts und der Herbst übernimmt, doch die Nacht reiβt die Macht im tiefen Winter wieder an sich. So wetteifern die Kameraden Helligkeit und Dunkelheit ständig miteinander und teilen sich die Arbeit nach dem Gebot der Jahreszeiten.

Der Handywahn

Bei dieser schnellen Entwicklung muβ nicht lange damit gewartet werden, daβ Säuglingen bei der Geburt ein Handy angeheftet wird, damit sie bei erster Gelegenheit am Wettrennen der Eltern teilnehmen können. Man hat gehört, daβ es kein Problem ist, mit den Verstorbenen in Kontakt zu treten, wo sie auch sind, wofern das Handy mit in die ewigen Jagdgründe genommen wird. Um den Service der Telefongesellschaften zu vervollkommnen, wird ununterbrochen am Anschluβ von Petrus am Himmelstor gearbeitet, damit ihre Kunden in Zukunft Kontakt mit dem Pförtner selbst aufnehmen können, um über ihren Aufenthalt im Himmelsreich zu verhandeln und sich zugleich ein Hotel in jener Klasse zu sichern, das den Rentenansprüchen jedes Einzelnen gerecht wird.

Multikulturelle Gesellschaft

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts bildet sich eine bunte, multikulturelle Gesellschaft, gemischt aus Leuten der unwahrscheinlichsten Ecken der Welt. Sie bringen ihre Sitten von zu Hause mit, die das Leben der Nation würzen und die Tore zu einem vielseitigen sozialen und kulturellen Leben aufstoβen. Das kleine Volk ist groβ geworden, hat weltmännisches Auftreten und eine abwechslungsreiche Küche. Ihre Wirtschaftskapazitäten dringen in internationale Finanzmärkte ein und kaufen im Ausland einen Konzern nach dem anderen. Das Land und das Volk, die hier leben, segeln mit Volldampf in die Globalisierung.

Das Schaufenster

Dieser Vorfall führt dazu, daβ ein Mann einige Zeit im Krankenhaus verbringt und sein Schiff verpaβt. Eine elegante Frau, die Besitzerin des Geschäfts, beschuldigt sich des Unfalls und beginnt, den Patienten in der Klinik zu besuchen. Nach kurzer Zeit verlieben sie sich ineinander, und kurz nachdem der Mann gesundet und wieder auf den Beinen ist, wird die Hochzeit ausgerichtet. Er fährt nicht mehr zur See, sondern stürzt sich in soziale Aktivitäten, gründet eine Partei und wird am Ende ein populärer Landesvater seiner Nation.

Liebe und Klempnerei

Das Mädchen hat es schwer, da sie die einzige Frau unter kräftigen Energiebündeln ist. Die Männer machen sich über sie lustig, belästigen sie sexuell und versuchen, sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu verführen. Sie reiβt sich zusammen, schüttelt die Klempner einen nach dem anderen ab und verliert schlieβlich das Interesse an Männern.
Das Klempnern nimmt sie ganz ein, und das Metall und verschiedene Werkzeuge liegen ihr gut in der Hand, in den Armen und im Schoβ. Die Rohre werden hin und her geschwungen oder gesägt und gebogen, je nach ihrer Bestimmung. Die Männlichkeit des Metalls wird zur Wonne der Frau, und sie spielt damit und dirigiert es nach ihren Bedürfnissen.
Das Weiche erringt die volle Macht über das Harte.

Liebe und Wandfarbe

Am Ende der Arbeit sind die Kollegen recht frarbenfroh anzusehen, mit Farbklecksen im Gesicht und an den Händen, und es kann vorkommen, daβ sich die Haarfarbe deutlich verändert hat. Dann spüren sie das Bedürfnis, den Erfolg mit einer romantischen Abschluβnacht in der Wohnung zu verbringen, um so den Einfluβ von Farben auf die Sexualität besser zu spüren und den Rausch vollends zu genieβen. So weihen sie jede einzelne Wohnung für ihre Auftraggeber ein, die später zufrieden in das Nest der Zukunft einziehen.


Bierkultur

In einem Lokal wird ein Bierfest gefeirt, wo Riesenbildschirme an den Wänden Popvideos zeigen und die Musik den Lärm im Saal überschallt. Die jungen Leute sind fröhlich und trinken nach Art der Wikinger, während sie die Videos anschauen oder mit einem Glas in der Hand auf der Tanzfläche tanzen. Jetzt ist die Stimmung gut und es geibt genug Bier, und alles muβ auf einmal geschehen. Einer der Gruppe langweilt sich, doch greift er zu einem Mittel, um sich zu vergnügen, indem er die Biergläser eines nach dem anderen auf den Boden wirft, nachdem er sie ausgetrunken hat. Am Ende sind Glasscherben zu Tausenden über die Tanzfläche verteilt, als die Gäste schlieβlich allmählich das Lokal verlassen. Der Besitzer erwischt den Schuldigen und fragt nach dem Grund dieses wüsten Verhaltens. Er antwortet wie aus der Pistole geschossen: “Es ist so lustig, die Gläser zerbrechen zu hören.”


Der Fliegenmann

Die bedeutendsten Herrenausstatter der Stadt schlagen sich um den Fliegenmann und bewerben seine Zeit besondes, denn die Leute stehen Schlage für seinen Service. Da stellt sich heraus, daβ er das Doppelte verkauft als andere Händler, und der Handel blüht überall auf, wo er ist. Er beginnt, zu Hause bei sich Kurse zu geben für diejenigen, die diese Kunst erlernen wollen, und weniger Leute werden angenommen als wollen. Diejenigen, denen die Kunst, eine Fliege zu binden, nicht gelingt, rufen den Alten zu Hilfe, wenn es eilig ist, so wie einen Handwerker. Es dauert daher nicht lange, bis der Fliegenherr einer der Steuerkönige der Hauptstadt geworden ist und bei der Schickeria beliebt. Einige behaupten auβerdem von ihm, daβ er einen Teil seines Gewinns dunkle Geschäfte investiert.

Die Mine

Viele Leute haben Arbeit und Gewinn davon, diverse Waffen zum Schutz und Angriff auf Personen oder Völker zu produzieren. Techniker sind vollauf damit beschäftigt, Spielzeuge des Todes zu entwickeln und nutzen die Technologie der Gegenwart, um sie so vollkommen wie möglich zu machen. Eifrige Händler scheinen das Leiden all jener unschuldigen Bürger nicht in Erwägung zu ziehen, die köperliche Qualen oder ein Leben lang seelischen Fluch ertragen müssen, als Folge ihrer Tötungsgeräte. Oder gar Achtung vor all jenen zu haben, die durch ihr Zutun getötet werden.

 
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© 2001 Ármann Reynisson